
Nachbetrachtung
Der Gemeinderat hat am 30. September 2025 seinen Beschluss aus 2024 korrigiert. Deshalb ist nun kein Bürgerentscheid über das geplante Nahwärmeprojekt mehr nötig. Ein solcher Bürgerentscheid hätte Zeit und auch ein paar Euro gekostet. Das Ergebnis wäre offen gewesen. Trotzdem hätte die Mehrheit Bessenbacher Bürgerliste und ich die Gelegenheit gerne genutzt, um die Fragen zu beantworten, die viele Bessenbacherinnen und Bessenbacher zum geplanten Nahwärmeprojekt haben.
Bei der Gelegenheit hätten ich/wir auch gerne mit ein paar Unwahrheiten aufgeräumt, die die Initiatoren des Bürgerbegehrens in die Welt gesetzt hatten. Das Landratsamt hatte das Bürgerbegehren trotz dieser Fehlinformationen genehmigt.
Offen bleibt im Übrigen auch die Frage von Bessenbacher Bürgerinnen und Bürgern, was die Initiatoren eigentlich antrieb. Vielleicht hat der Standort des Projekts dabei auch eine Rolle gespielt? Das Nahwärmeprojekt am Gemeindezentrum ist ein sinnvolles, wirtschaftliches Projekt. Die Alternativen, die die Bürgerinitiative eingefordert hatte, wurden nun vorgestellt: Sie wären nahezu doppelt so teuer wie das geplante Nahwärmeprojekt. Das haben externe Ingenieure und Architekten berechnet und dem Gemeinderat in einer öffentlichen Sitzung vorgestellt. Dabei war das Gebäude, das die Gemeinde bei einer dieser „Alternativen“ wahrscheinlich am teuersten gekommen wäre, noch gar nicht berücksichtigt: das Curanum. Warum auch immer. (Eigentümerin des Curanum ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Gemeinde.)
Kurz vor der entscheidenden Gemeinderatssitzung hatte die aus drei Herren gleichen Vornamens bestehende „Walter-Gruppe“ noch versucht, Verwaltung und Gemeinderat weiter zu verunsichern. So reichten sie drei Tage vor der Sitzung eine neue „Alternative“ ein. Auch dieser Vorschlag wurde von den Ingenieuren begutachtet. Bei der Präsentation konnte sich Sebastian Kuhn, technischer Geschäftsführer des Ingenieurbüro Helfrich, ein kleines Lächeln nicht verkneifen: Die Vorschläge seien „substanzlos“ und daher „nicht prüfrelevant“.
Historie
Der 2020 gewählte Gemeinderat hatte unter Federführung der Bessenbacher Bürgerliste das in der vorherigen Periode steckengebliebene Thema „Nahwärmeversorgung mit Hackschnitzeln“ zügig wieder aufgegriffen.
Ich, Werner Aulbach, der für die Bessenbacher Bürgerliste im Gemeinderat sitzt, hat in langen Verhandlungen dafür gesorgt, dass die für das Projekt benötigten Grundstücke gekauft werden konnten. Der Gemeinderat hat diese Käufe dann auch einstimmig beschlossen. In den Augen der Bessenbacher Bürgerliste sind diese Grundstücke nun zweckgebunden und dürfen vorerst nur für ökologische Maßnahmen verwendet werden. Das gilt auch nach der Entscheidung vom 30. September 2025. Immerhin steht man bei den Vorbesitzern noch im Wort, warum die Grundstücke gebraucht werden. Der Gemeinderat bildete auch einen Arbeitskreis, der aus beiden Fraktionen gleich besetzt war – aber leider nicht gleich gelebt wurde. Dieser Arbeitskreis hat genau geprüft: Ist dieses Projekt wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll? Das Ergebnis: Ja, das ist es. Auch der Gemeinderat als Ganzes kam mehrfach zu diesem Schluss. Anstatt des Spatenstich kam dann jedoch das Bürgerbegehren um die Ecke. Aus meiner Sicht hatten die Initiatoren der Bürgerinitiative mehrere Jahre lang Zeit, sich in den öffentlichen Gemeinderatssitzungen über das Projekt zu informieren. In diesen Sitzungen wurden lebendige Debatten über das „Für und Wider“ ausreichend geführt. Aber Fehlanzeige, sie waren nicht da. Die wertvolle Gremium-Arbeit wird daher zumindest in Frage gestellt.
Ergebnis
Im Nachhinein können unsere BBL-Gemeinderatsmitglieder sehr stolz auf sich sein:
- Sie haben ihr Fähnchen nicht nach dem Wind gerichtet und sich von
falschen Informationen nicht beirren lassen. Sie haben allein auf
Basis von Fakten entschieden und viel Weitblick bewiesen. - Sie haben Bessenbach nach vorne gebracht: Sie haben verhindert,
dass man an fossilen Brennstoffen festhält, die immer teurer werden
und unserem Planeten schaden. Stattdessen haben sie dafür
gesorgt, dass Bessenbach seinen CO2-Fußabdruck verkleinert. - Sie haben dafür gesorgt, dass unser Wald einbezogen wird, der
innerhalb der Waldgemeinschaft bislang nur stiefmütterlich
betrachtet wurde. Unser größtes Vermögen ist der Wald. Es ist nicht
nur finanziell klug, ihn für die Gemeinde zu nutzen. Es gibt uns auch
langfristige Sicherheit. - Sie haben dafür gesorgt, dass auch für Bauhof, Feuerwehr und
Curanum noch eine nachhaltige Lösung gefunden werden kann. Die
Entscheidung darüber sollte der neue Gemeinderat treffen, der 2026
gewählt wird.
Es freut mich, dass Richard Goldhammer die Bessenbacher Bürgerliste mit seinem Wissen unterstützt hat. Richard war in der vorherigen Wahlperiode Mitglied des Gemeinderats; die Idee einer zentralen Nahwärmeversorgung mit Hackschnitzeln geht auf ihn zurück. Er wird 2026 auf der Liste der BBL wieder für den Gemeinderat kandidieren.
Den Kompromiss schlug schließlich das Gemeinderatsmitglied Peter Aulbach vor. Entscheidend war für ihn dabei auch der Blick in den Haushalt der Gemeinde. Ich freue mich, dass Peter 2026 ebenfalls auf der Liste der BBL wieder für den Gemeinderat kandidieren wird. Nach einer lebhaften Sitzung hat es ein externer Betrachter treffend zusammengefasst:
- Die Kompromisslösung, auf die sich die Gemeinderäte jetzt geeinigt
haben, ist eine vertretbare Lösung. Nicht mehr, aber auch nicht
weniger. Es wäre verantwortungslos gewesen, die Entscheidung
weiter hinauszuzögern, denn die Heizung der Grundschule muss
dringend modernisiert werden. - Eine sehr gute Lösung war aus zwei Gründen nicht mehr möglich:
1.) Weil die Haushaltslage der Gemeinde sich so deutlich verschlechtert hat.
2.) Weil die Initiatoren des Bürgerbegehrens im Ort gezielt Stimmung
gemacht und dabei auch Fehlinformationen verbreitet hatten. - Der Bessenbacher Bürgerliste stellte er ein sehr gutes Zeugnis aus: „Macht weiter so!“
Resümee aus meiner Sicht:
Die Anlieferung der Hackschnitzel an den jetzt beschlossenen Standort ist noch nicht final geklärt. Trotzdem habe ich dem Kompromissvorschlag zugestimmt, weil sich für die sehr gute Lösung keine breite und stabile Mehrheit mehr fand.
Eines ist mir aber noch wichtig: Die Befürworter der großen Lösung hatten immer das große Ganze im Blick. Für sie ging es nie „nur“ um eine Heizlösung, sondern immer um eine Investition. Laut dem Gemeindekämmerer, Herrn Manteufel, hätten wir mit einer Mehrwertsteuer-Rückerstattung von fast 1 Millionen Euro rechnen können. Und mit dem Verkauf von Energie hätten Zinsen und Tilgungen finanziert werden können.
Am Ende wurde aber leider nicht mehr langfristig gedacht, sondern nur noch kurzfristig. Die Diskussion drehte sich nur noch um die aktuelle Finanzlage. Die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit des Projekts spielte keine Rolle mehr. Wir hätten die Chance gehabt, unsere Gemeinde unabhängiger, umweltfreundlicher und fit für die Zukunft zu machen. Die langfristigen Folgen der Kompromisslösung lassen sich zurzeit kaum in Zahlen fassen.
Die nächsten Generationen werden es können.
Werner Aulbach – Mitglied des Gemeinderats, Initiator und Moderator des
Arbeitskreises „Nahwärme“ im Gemeinderat
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